Königinnenzucht

 

 

 

 

Die Königinnenzucht ist der Grundstein einer guten Imkerei

 

 

Dieser Text ist als Hilfestellung für Einsteiger gedacht, die sich in der Königinnenzucht probieren möchten.

 

 

Autor: Sebastian Runge

Zuchtgemeinschaft Dunkle Biene Nord

 

 

 

Warum ist die Königinnenzucht so wichtig?

 

 

Für jede Imkerin und jeden Imker sollten junge, gute Königinnen das Rückgrat der Imkerei sein. Diese Königinnen werden gebraucht, um Jungvölker und Ableger aufzubauen oder um die Altvölker durch Umweiseln zu verjüngen. Denn junge Königinnen bilden somit größere und vitalere Völker. Daraus resultieren eine bessere Gesundheit sowie größere Völker, wichtig z.B. für die Überwinterung. Königinnen haben eine theoretische Lebenserwartung von bis zu 5 Jahren. Erfahrungen haben gezeigt, dass sie nach 1 Entwicklungsjahr und 2 Wirtschaftsjahren bereits über ihren Leistungshöhepunkt gekommen sind! Zusätzlich schmälern eingesetzte Pestizide in der Landwirtschaft sowie selbst eingesetzte Varroa-Behandlungsmittel oder Desinfektionsmittel die Lebenserwartung unserer Bienen und letztendlich der Königinnen. So dass die Legeleistung und Vitalität der Königin nach lässt. Aber für die weitere Nachzucht sind auch ältere Königinnen immer noch sehr gut geeignet.

 

 

Alle diese Faktoren zeigen uns, dass der Freizeitimker und erst recht der Erwerbsimker nicht auf eine gute Königinnenzucht verzichten kann. Schon bei einem Bedarf von mehr als drei Königinnen lohnt es sich preislich und qualitativ, die Zucht durchzuführen.

 

 

 

Was brauchen wir alles ?

 

 

•Umlarvlöffel

 

•Zuchtrahmen für die Aufnahme der Zuchtstopfen / Weiselbecher

 

•Weiselbecher aus Kunststoff oder aus Wachs (Formhölzer 9 mm Durchmesser (Größe der Spielnäpfchen))

 

•Verschul- oder Schlupfkäfige

 

•Siebkasten, dient zur Trennung der Arbeitsbienen von den Drohnen

 

•Mehrwabenbegattungskästchen

 

•Zeichengerät , Klebstoff (Schellack)

 

•Opalithplättchen: Kennzeichnung der Jahre mit Zahlenaufdruck von 1 – 99

 

•Nicot – Zuchtsystem

 

 

Für die Königinnenaufzucht werden ein Umlarvlöffel und ein Zuchtrahmen mit Zuchtstopfen benötigt. Der Zuchtrahmen ist ein leeres Rähmchen mit zwei Querleisten, die jeweils 12 – 16 Zuchtstopfen aufnehmen können.

Außerdem werden zum Verschulen der Königinnenzellen so genannte Schlupfkäfige gebraucht.

 

 

Die Herstellung der Weiselbecher kann jeder selbst durchführen. Dafür benötigt man ein oder mehrere Fromhölzer mit einem Durchmesser von 9 mm (Größe eines Spielnäpfchens). Das Formholz wird vor dem Einsatz von beiden Seiten in ein Glas Wasser mit einem kleinen Spritzer Geschirrspülmittel getaucht. Das so entspannte Wasser soll eine Haftung zwischen Wachs und Holz verhindern. Mit zwei ineinander gestellten Töpfen, der untere Topf wird mit Wasser gefüllt, wird Wachs (ca. 2 Mittelwände) bei ca. 65 – 70°C erwärmt. Das Formholz taucht man zwei- bis fünfmal in das flüssige Wachs ein. Es bildet sich ein Wachshütchen, das nach dem Erkalten durch vorsichtiges Drehen abgezogen werden kann. Auf den Zuchtstopfen wird ein Wachstropfen gegeben und der Weiselbecher kann aufgesetzt werden. Mit einer heiß gemachten Klinge eines Teppichmessers muss der Weiselbecher auf ca. 5 mm eingekürzt werden – fertig.

 

 

 

Planen ist wichtig

 

 

Jede Imkerin und jeder Imker sollte sich schon in den Wintermonaten Gedanken über die eigene Zuchtplanung im Frühjahr machen. Dabei sind die persönlichen Völkeraufzeichnungen (z.B. Imkerkalender, Stockkarte der letzten Saison) eine ganz wichtige Beurteilungshilfe.

 

 

Deshalb bitte immer alle Königinnen zeichnen, und die Beute sollte möglichst nummeriert sein, denn ohne diese Grundvoraussetzungen können keine verlässlichen Daten zur Beurteilung herangezogen werden.

 

 

Jetzt kann jeder in aller Ruhe seine Auswertungen und Planung vornehmen. Ein gutes, nachzuchtwürdiges Volk habe ich auf meinem Stand, wenn mindestens die vorherige Generation gute Volkseigenschaften und gute Leistungen gehabt hat. Es braucht keine Reinzucht zu sein. Maßgebend für den züchterischen Erfolg ist dabei die mütterliche Dominanz der selektierten Gene. Man muss sich entscheiden: Reicht mir die Standbegattung, oder ziehe ich eine kontrollierte Anpaarung auf einer Land- oder Inselbelegstelle vor?

 

 

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt

 

 

Die gesamte Königinnenzucht ist immer an einem strengen zeitlichen Ablauf gebunden. Etwa Mitte Mai (plus, minus ein paar Tage) haben wir in Norddeutschland den Entwicklungshöhepunkt unserer Bienenvölker. Die beste Zeit für die Zucht sollte möglichst vor dem Entwicklungshöhepunkt sein, ich beginne mit der Zuchteinleitung etwa Mitte Mai. Aber es klappt auch noch sehr gut zu einem späteren Zeitpunkt. Ich habe auch schon Königinnen bis Mitte August nachgezogen. So lange noch Drohnen vorhanden sind ist das kein Problem.

 

 

 

Vom Ei bis zur fertigen Königin

 

 

Die Entwicklungsdauer der Königin vom Ei bis zum Schlupf beträgt insgesamt 16 Tage:

 

 

•Vom Ei bis zum Schlupf der Made dauert es drei Tage.

 

•Anschließend wird die Rundmade bis zu ihrer Verpuppung fünf Tage lang gefüttert und gepflegt. Am fünften Tag wird die

Zelle verdeckelt.

 

•In der verdeckelten Zelle findet in den nächsten acht Tagen die Metamorphose von der Streckmade über die Vorpuppe zur Puppe und abschließend zur fertigen Königin statt.

 

 

 

Merke: 3-5-8 so wird ne Königin gemacht!

 

 

Der Arbeitsablauf

 

 

•Umlarven von Larven, die nicht älter als 1 1/2 Tage sind.

 

•Nur bei einem Starter erfolgt nach 24 Std. das Umhängen in ein Pflegevolk.

 

•Nach 6 bzw. 12 Tagen werden die Zellen verschult (gekäfigt)

 

•Der Königinnenschlupf erfolgt am 13. Tag.

 

•1 Tag später: Begattungsvölker bilden, dunkel und kühl beiseite stellen

 

•3-6 Tage später: Begattungsvölker aufstellen oder zur Belegstelle bringen.

 

 

 

Basiszucht

 

 

Die Basiszucht ist gleichzusetzen mit der Standbegattung von nachgezogenen Königinnen. Die Selektion des Zuchtmaterials erfolgt über die besten Mutterköniginnen, die auf einem Bienenstand zur Verfügung stehen. Die nicht kontrollierbaren Drohnen gehören meistens der Rassen Carnica, Buckfast (Kunstrasse) und zu kleinen Teilen der Dunklen Biene und der italienischen Ligustica an. Somit bleibt das Ergebnis einer solchen Anpaarung immer sehr ungewiss. Um bei dieser Art der Zuchtauslese ein gutes Ergebnis zu erzielen, braucht man viel Geduld und mehrere Königinnengenerationen.

 

 

 

Kauf einer Zuchtkönigin

 

 

Falls man sich für den einfacheren Weg, den Kauf einer Zuchtkönigin bei einem Züchter entschieden hat, dann sollten diese Punkte beachtem:

 

 

Lassen Sie sich beim Kauf einer Reinzuchtkönigin immer die Zuchtkarte und den Abstammungsnachweis der Mutter aushändigen. Dem dazugehörigen Belegstellennachweis der Drohnenvölker kann man über die jeweilige Belegstelle, über imkerliche Fachzeitschriften oder das Internet erhalten.

 

 

Die Zuchtkarte ist der Ausweis einer Zuchtkönigin. Sie beinhaltet die Abstammung der Mutter und alle aktuellen Daten der Tochter. Auf dem letzten Abschnitt der Zuchtkarte werden die Vatervölker von der Belegstelle eingetragen.

 

 

Sie erhalten mit dem Abstammungsnachweis einen "ersten Einblick" in das Bienenvolk. Da werden eine überdurchschnittliche Honigleistung, weiterhin Sanftmut, Wabenstetigkeit sowie Schwarmneigung und Widerstandskraft gegenüber Krankheiten beurteilt. Die Ahnenliste gibt uns Auskunft von wem, in welchem Jahr, und wie lange diese Linie ausselektiert wurde.

 

 

Von dieser Königin sollte man erst im nächsten Jahr, also nach einem überzeugenden Leistungsjahr (über Standdurchschnitt) nachziehen.

 

 

 

Umlarven

 

 

Der Imker sollte vorher einige Vorbereitungen treffen

 

 

 

•Ca. vier bis fünf Tage vor dem Umlarven wird aus dem Zuchtvolk eine Wabe entnommen. In dem Bereich des Brutnestes bringt man eine honigfeuchte und schon einmal bebrütete, möglichst markierte Leerwabe zum Bestiften. Wenn es klappt, dann erhält man viele Larven gleichen Alters.

 

•Die benötigten Larven sollten nicht älter als 1 – 1 1/2 Tage sein, denn die Pflegebienen brauchen Zeit, um aus einer „normalen Larve“ durch Futterumstellung eine Königin zu erzeugen.

 

•Für das Umlarven sind gute Lichtverhältnisse, eine ruhige Hand und ein gutes Auge (evtl. Kopflupe) notwendig.

 

•Die Larven sind im Rückenbereich am unempfindlichsten, deshalb wird der Umlarvlöffel hinter der Larve in den Futtersaft eingetaucht und vorsichtig auf den Zellenboden aufgesetzt.

 

•Mit etwas Futtersaft (Gleitmittel) schiebt man den Löffel unter die Larve und hebt sie vorsichtig aus der Zelle. Beim Ablegen wird in dem vorgesehenen Weiselbecher der Löffel auf dem Becherboden abgesetzt und nach hinten weg gezogen.

 

•Wenn alle Zuchtstopfen belarvt sind, schlägt man den Zuchtrahmen vorsichtig in ein leicht angefeuchtetes Tuch ein, um die Larven vor der Sonnenstrahlung und dem Austrocknen zu schützen. Jetzt kann man den Zuchtrahmen dem Pflegevolk zuführen. Nur zu empfehlen bei einem kurzen Heimweg.

 

 

 

Zucht im Sammelbrutableger

 

 

Die Aufzucht von 12 und mehr Weiselzellen erfolgt am besten in einem Pflegevolk. Dieses Pflegevolk kann in ein oder auch zwei Magazinzargen erstellt werden. Grundvoraussetzung für ein gutes Pflegevolk ist eine gute Gesundheit und viele gut genährte Jungbienen.

 

 

•Ein-Zargen-Pflegevolk: Durch Schröpfen von starken Wirtschaftsvölkern gibt man 8 Brautwaben, möglichst mit Honigkranz und aufsitzenden Bienen in eine Zarge.

 

•Zusätzlich müssen von 5 – 7 Waben junge Bienen dazugefegt werden. Die linke und rechte Seite der Zarge wird mit Honigwaben aufgefüllt.

 

•Das Pflegevolk muss einen neuen Standort außerhalb des Flugkreises der geschröpften Völker haben, um so eine evtl. Räuberei zu verhindern.

 

•Das Flugloch ist eng zu halten.

 

•Nach 9 Tagen müssen die nachgezogenen wilde Weiselzellen herausgebrochen werden. Man darf dabei keine Zelle übersehen, besonders in der Brutfläche liegen schwer erkennbare Weiselzellen versteckt, sonst ist die gesamte Zucht durch eine schlüpfende Königin hinfällig!

 

•Es sind in den letzten Tagen viele junge Bienen geschlüpft, die Zarge ist nun bis zum Boden prall mit Bienen gefüllt.

 

•Jetzt bleibt noch Zeit, um eine schnelle Varroabehandlung mit einer Oxalsäurebegasung durchzuführen.

 

•Einen Tag nach dem Herausbrechen der Nachschaffungszellen kann die Zucht eingeleitet werden.

 

•Aus der Mitte der Zarge wird eine Wabe entnommen, um Platz für den Zuchtrahmen zu schaffen. Bereits nach einigen Minuten ist die Wabengasse mit Pflege- und Baubienen voll besetzt. Signifikant ist auch eine nicht zu übersehende Unruhe im Volk, verursacht durch die Weisellosigkeit.

 

•Jetzt kommt der belarvte Zuchtrahmen in die Wabengasse. Die ca. 20 bis 26 Maden werden sofort angenommen und gepflegt. Generell sollte man bis zur Verdeckelung der Zellen (4 – 5 Tage) verdünnten Honig füttern, nicht nur bei Trachtlosigkeit! Optimal ernährte Larven (Fressphase) haben einen guten Start für die weitere Entwicklung.

 

•12 Stunden nach dem Einhängen des Zuchtstoffs werden die angenommenen Weiselzellen kontrolliert. Nach Bedarf und Möglichkeit kann man nachlarven

 

•Mit dem Verdeckeln ist die Pflege der Larve durch die Bienen abgeschlossen. Jetzt braucht die Zelle nur Ruhe, Wärme und die richtige Luftfeuchtigkeit bis zum Schlupf.

 

 

 

Zucht im weisellosen Wirtschaftsvolk

 

 

Die züchterische Vorgehensweise ist wie beim Sammelbrutableger, nur hier kommt ein starkes, entweiseltes Wirtschaftsvolk zum Einsatz. Es sollte sich nicht in Schwarmstimmung befinden.

 

 

Die Zusammenstellung dieses weisellosen Wirtschaftsvolkes:

 

 

 

•In die untere 1. Zarge kommen Waben mit offener und verdeckelter Brut sowie Pollen- und Futterwaben. Dazwischen wird ein Absperrgitter gelegt.

 

•In die 2. Zarge gibt man Leerwaben und Waben mit schlüpfender Brut und Königin, dann folgt ein weiteres Absperrgitter und obendrauf zuletzt eine Honigzarge.

 

•9 Tage später ist die Brut in der unteren Zarge verdeckelt. Beim nächsten Arbeitsschritt stellt man die 2. Zarge und die Honigzarge beiseite. Aus dem unteren Raum wird eine Wabe entnommen, die Bienen werden abgeschlagen, und so schafft man in der Mitte eine Wabengasse. Dort wird später der Rahmen mit dem Zuchtstoff eingehängt.

 

•Eine Kontrolle auf Nachschaffungszellen ist erforderlich.

 

•Die Königin kommt mit 2 Brutwaben, 1 Futterwabe und 1 Leerwabe in einen Ablegerkasten auf einen anderen Stand.

 

•Die Bienen werden von den Waben der 2. Zarge + Honigzarge in die untere Zarge abgefegt. Diese bienenfreien Waben werden auf andere Völker verteilt.

 

•Eine schnelle Oxalsäurebehandlung gegen die Varroamilbe könnte man noch durchführen!

 

•Nach 2-3 Stunden ist die Weiselunruhe eingetreten, hörbar am Brausen der Bienen.

 

•Jetzt kann der Zuchtrahmen mit den gewünschten Edelmaden eingesetzt werden.

 

•Nach 5 Tagen können die Zellen verschult werden.

 

 

 

Schutz der Weiselzellen (Verschulen)

 

 

Es gibt zwei Termine, die der Züchter nutzen sollte, um die Weiselzellen in Schlupfkäfigen zu verschulen. Die Natur hat es so geregelt, dass die zu erst geschlüpfte Königin die restlichen Zellen ausbeißt. Somit wäre alles umsonst gewesen.

 

 

•Nach dem Verdeckeln, also 5 Tage nach dem Umlarven und 2 Tage vor dem Schlüpftermin, sind die Zellen am unempfindlichsten.

 

•Das Umstecken der Zellen sollte in dieser Zeit vorgenommen werden, dabei sind alle Handgriffe vorsichtig durchzuführen.

 

•Die Zellen dürfen nur senkrecht hängen. Durch leichtes Drehen löst sich der Stopfen und die Zelle kommt in die Öffnung des Verschulkäfigs.

 

•Schon ein Umfallen des Zuchtrahmens bedeutet, dass unsere Maden größtenteils vom Futtersaft gerutscht und damit nicht mehr lebensfähig sind.

 

•In den handelsüblichen Schlüpfkäfigen befindet sich am Boden eine kleine Aussparung. Hier wird etwas Königinnenfutter oder Honig hinein gepackt. Es ist nur eine vorübergehende, erste Futterquelle nach dem Schlupf der Königin.

 

•Wenn der Schlupf im Pflegevolk erfolgen soll, dann werden alle gekäfigten Zellen in einen Zuchtrahmen auf zwei drehbaren Leisten gesteckt. Dieser Zuchtrahmen kommt ins Pflegevolk.

 

 

Zeichnen der Königinnen

 

 

Sind die Königinnen geschlüpft, dann werden sie gezeichnet. Zum Zeichnen hat sich das Opalithplättchen mit Nummern von

1 – 99 und den fünf verschiedenen Farben durchgesetzt.

 

 

Jahr und Farbe sind festgelegt:

2012 gelb, 2013 rot, 2014 grün, 2015 blau, 2016 weiß, 2017 gelb, 2018 rot, 2019 grün, 2020 blau, 2021 weiß

 

 

Durch die unterschiedlichen Farben der Opalithplättchen ist das Geburtsjahr klar erkennbar. Mit dem Zeichen ist die Königin im Volk leichter zu finden. Bei Geschwistern ist die Nummer zur Unterscheidung wichtig; die Nummer wird mit der Farbe / Jahr auf der Zuchtkarte oder dem Belegstellennachweis eingetragen. Dieser Nachweis muss geführt werden, wenn die Königin zur Anpaarung auf eine Reinzuchtbelegstelle und später in das Zuchtbuch eingetragen werden soll.

 

 

Für die normale Stand-Anpaarung reicht die Markierung mit einem Zeichenstift oder kleinen Formplättchen. Als Klebstoff hat sich Schellack als gut verträglich erwiesen, allerdings get es auch mit dem farblosen Azeton-Nagellack.

 

 

Das Zeichnen geschieht in einem geschlossenen, übersichtlichen Raum oder im Auto. Die Königin wird dazu aus dem Käfig geholt und auf einem Schwamm gesetzt, darüber stülpt man ein kleines rundes Zeichennetz. Wenn der Rücken gut durch eine Netzmasche sichtbar ist, dann sollte man mit etwas Geschick die Königin im Kopfbereich einklemmen können – fixieren.

 

 

Mit einem Streichholz, besser ist noch eine aufgebogene Heftklammer, wird ein kleiner Tropfen auf den Rückenpanzer gegeben. Falls zu viel Klebstoff verwendet wurde, dann läuft dieser zwischen Kopf und Rückenschild und verklebt so die Flügelansätze. Die Königin geht leider verloren.

 

 

Zum Auflegen des Opalithplättchens wird eine Zeichennadel oder ein umgedrehter Umlarvlöffel mit Speichel benetzt, auf die gewünschte Nummer getippt und auf dem Rücken der Königin platziert. Geschickte Züchter können die Königin zwischen Daumen und Zeigefinger halten und zeichnen. Während des gesamten Zeichenvorgangs darf die Königin nicht am Hinterleib gequetscht werden, ihre Eierschläuche könnten verbleben und die Legeleistung würde dadurch beeinträchtigt werden.

 

 

 

Begattungskästen (MWK)

 

 

Am Boden befindet sich der Lüftungsschieber. Seitlich an der Stirnseite ist eine runde drehbare Verschlussscheibe mit zwei unterschiedlichen Öffnungen angebracht. Die große Öffnung wird benutzt um alle Bienen, Königinnen und Drohnen fliegen lassen. Durch die Mittel große Öffnung können nur Bienen und die Königin fliegen. Das ist wichtig um zu verhindern die übersehenden Drohnen auf der Belegstelle frei fliegen zu lassen. Die kleine Öffnung wirkt wie ein Absperrgitter und verhindert das Aus- und Eindringen von Königinnen.

 

Das Befüllen der MWK beschreibe ich hier. Befüllen der Begattungskästen

 

 

 

Drei Voraussetzungen für gute Königinnen sind

 

 

1. die Ausgangsbasis (Zuchtmaterial)

 

2. die Aufzucht (optimales Pflegevolk)

 

3. die Vollpaarung (beste Vatervölker)

 

 

 

Inselbelegstelle

 

 

Jede Belegstelle wird von einem Belegstellenleiter betreut. Er nimmt die ankommenden Sendungen entgegen, kontrolliert die Gesundheitszeugnisse, versorgt die Völkchen auf der Insel und schickt sie nach der Begattung an die Züchter zurück. Wenn sich die Bienen vom Transport beruhigt haben und kein Flugbetrieb mehr herrscht, werden die Begattungkästen aufgestellt.

 

 

Dabei überzeugt sich der Belegstellenleiter vom ordnungsgemäßen Zustand und der Drohnenfreiheit der Völkchen und kontrolliert die Futtervorräte. Dann stellt er die Vorbauscheibe auf die mittlere Öffnung.

 

 

Die auf der Belegstelle aufgestellten Drohnenvölker sind nach strengen Kriterien ausgewählt. Mindestens ein Drohnenvolk sollte für 20-25 gleichzeitig aufgestellte EWK vorhanden sein. Durch besondere Maßnahmen wird für viele gut gepflegte, vitale Drohnen gesorgt.

 

 

Frühestens 6 Tage nach dem Schlupf sind die jungen Königinnen brünftig. Ihre Hochzeitsflüge unternehmen sie bei Temperaturen über 20°C und paaren sich mit bis zu 36 Drohnen. Einige Tage später beginnen sie bereits mit der Eiablage und legen ein Brutnest an.

 

 

Der Belegstellenleiter kontrolliert die Völkchen wöchentlich außerhalb der Flugzeiten.

 

 

Völkchen mit Brut werden notiert oder eingesammelt. Normale Arbeiterinnenbrut ist an dem geschlossen Brutnest und der flachen Verdeckelung zu erkennen. Bisweilen kommt es aber auch vor, dass die Königin verloren geht. In diesem Fall werden Weiselnäpfchen angesetzt und Arbeitsbienen legen mehrere unbefruchtete Eier in den Zellen ab. Aus diesen Eiern entwickelt sich Drohnenbrut.

 

 

Nicht begattete Königinnen beginnen nach ca. 3-4 Wochen damit, unbefruchtete Eier zu legen, aus denen sich nur Drohnenbrut entwickelt. Deutlich zu erkennen an der höheren Verdeckelung.

 

 

Völkchen, die zu stark gebildet waren oder deren Bienengemisch nicht harmonierte, ziehen häufig aus. Verlassene Begattungskästchen sind die Folge.

 

 

Die Völkchen mit den begatteten Königinnen werden möglichst bald an den Züchter zurückgeschickt. Länger als drei Wochen werden die Königinnen - auch bei schlechtem Wetter - nicht auf der Belegstelle belassen. Gehen sie in diesem Zeitraum nicht in Eiablage, so ist das meist auf Krankheiten, Anomalien oder Beschädigungen zurückzuführen. Ein längeres Warten hat keinen Sinn.

 

 

Alle Feststellungen, wie Zustand der Völkchen, Beginn der Eiablage und Verlustursache trägt der Belegstellenleiter ins Belegstellenbuch ein. Auf der Zuchtkarte, die als Dokument die Königin begleitet, werden Name der Belegstelle, Beginn der Eiablage und Abstammung der Drohnenvölker eingetragen.

 

 

 

Landbelegstelle

 

Auf einer Landbelegstelle sollten eigentlich immer so viele reinrassige Drohnenvölker wie möglich zur Anpaarung von Bienenköniginnen zur Verfügung stehen. Auch in der direkten Umgebeung der Landbelegstelle sollten ebenfalls so viele Drohnenvölker wie möglich aufgestellt werden. Eine reinrassige Anpaarung kann leider nicht immer garantiert werden, da das eingerichtete Schutzgebiet um die Belegstelle nur bedingt durch Einwanderung kontrolliert werden kann. Gut geführte Landbelegstellen sind eine züchterische Bereicherung und einer Standbegattung grundsätzlich vorzuziehen.

 

 

Nordersstedt März 2016

 

Sebastian Runge

 

Literaturverzeichnis

 

•Friedrich Ruttner, Zuchttechnik und Zuchtauslese bei der Honigbiene

•Karl Weiß, Zuchtpraxis

•Friedrich-Karl Tiesler, Aufzucht, Paarung und Verwertung von Königinnen

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